Archiv für Januar 2010

Kulturdiskurs und Integration

Einführung

Es ist schwierig, sich mit dem Thema Integration von MigrantInnen und den damit verbundenen Problemen zu beschäftigen, ohne in Stereotype zu verfallen. „MigrantInnen” von einer fiktiven übrigen „Gesellschaft” gedanklich abzugrenzen und herausgearbeitete Unterschiede zu problematisieren haftet bereits ein fader Beigeschmack an. Und überhaupt: Wer soll sich da eigentlich, wozu und in was integrieren?
Das ist jedoch gerade die Frage, die der Erörterung bedarf. Die Beantwortung eines gesellschaftlich empfundenen Phänomens der politischen Rechten zu überlassen, hat schwerwiegende Folgen, die allen Beteiligten schadet. Darum möchte ich mich in diesem Artikel, gemeinsam mit einer Sozialarbeiterin und einer türkischen Migrantin, diesem Thema nähern. (mehr…)

1000 gute Gründe für vegane Ernährung – Kapitalismus bekämpfen und Klimawandel dämpfen

Eine Streitschrift für vegane Ernährung: ökologische und soziale Aspekte veganer Ernährung

In der derzeitigen Klimadebatte wird v.a. auf die industrielle Produktion, den Verkehr und die Wärme- bzw. Stromproduktion abgestellt. Dabei wird oft außer Acht gelassen, dass durch eine andere Ernährung ein großer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann.
Auch lässt sich an der Bereitschaft der Ernährungsumstellung erkennen, ob man persönlich zu Veränderungen bereit ist oder sich damit begnügt darauf zu verweisen, was „die Politik“ oder „die Wirtschaft“ zu tun oder zu lassen habe. Es soll damit die Bedeutung gesamtgesellschaftlicher Lösungen nicht in Abrede gestellt werden. Kritisiert wird jedoch die oft geäußerte Ansicht, dass individuelle Lösungen nichts bringen. (mehr…)

Make Capitalism History – Redebeitrag für das Widerstandsfest Biblis

Liebe Gegner der Atomkraft, liebe Kritiker der kapitalistischen Globalisierung, liebe Teilnehmer des Widerstandsfestes,

es hat den Anschein, als hätten wir in Sachen Klimaschutz neue Freunde gefunden. Freunde, die wir auf unserem Weg für eine sozialere und nachhaltigere Welt bisher vermisst haben: So betonte der RWE-Vorstandsvorsitzende Jan Zilius nach der Ablehnung des Antrages auf Laufzeitverlängerung für Biblis A, den „unbestrittenen wichtigen Beitrag“, den die Atomenergie zum Klimaschutz leiste. Es sei falsch, diese aus rein ideologischen Gründen abzulehnen. Auch Michael Glos outete sich als Umweltschützer: Gabriel sei „die linke Anti-Kernkraft-Ideologie wichtiger als der Schutz des Weltklimas“, so der Wirtschaftsminister. „Mangelnden Realismus“ wirft Bundeskanzlerin Merkel den Ausstiegswilligen vor, da kein ausreichender Ersatz für die Atomenergie benannt werde und betont, persönlich ebenfalls für eine längere Nutzung der Atomkraft zu sein. Und so meint auch der Junge Union-Vorsitzende Philipp Mißfelder feststellen zu können, dass inzwischen jeder bemerkt habe, dass man mehr zur Bewahrung der Erde tun müsse und prophezeit, dass diese Erkenntnis zu einer „Renaissance der Atomenergie“ führen wird.

Ist es also eine ideologische Frage für den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie zu sein? Sollten wir nicht besser auf unsere neuen Freunde hören und zum Schutz des Weltklimas auf den Atomausstieg verzichten? (mehr…)

Übers Wetter reden, aber anders – Kapitalismuskritik und Klimawandel

Lange Zeit ein Randthema, sind Energie- und Klimapolitik in der Öffentlichkeit so präsent wie seit rund 20 Jahren nicht mehr. Die durch Klimawandel verursachten ökologischen und sozialen Veränderungen und ihre verheerenden Folgen werden immer deutlicher sichtbar. Die Gefährdung der Reproduktionsgrundlagen von Mensch und Natur spitzt zudem auch die sozialen Gegensätze weiter zu. Schließlich ist der Klimawandel zuvorderst der Politik der kapitalistischen Industrienationen zuzuschreiben, am härtesten getroffen werden hingegen diejenigen, die ihn am wenigsten verursachen. Zwar wächst der Druck auf die Regierenden, entscheidende Weichen zu stellen, doch stimmt die Richtung überhaupt? Unter dem Motto „Für ein ganz anderes Klima“ lädt die Widerstandsgruppe Worms-Wonnegau für den 9. August 2008 zur Diskussion über Zusammenhänge von Klimawandel und Kapitalismus ein und wirbt damit auch für die Beteiligung am diesjährigen „Klimacamp“ vom 15.-24. August 2008 in Hamburg, zu dem ein breites Bündnis in Folge des G8-Gegengipfels in Heiligendamm mobilisiert. (mehr…)

Hinzufügen zum Wörterbuch: Polyamorie

Man kommt aus einer bürgerlichen Familie und ist ausgestattet mit ihren Begriffen und Werten: Ehrlichkeit, Strebsamkeit, Treue, Nächstenliebe. Jenen Menschen in der linken Szene, die herabschauen auf die bürgerliche Existenz mit all ihrer Selbstentsagung, Unterordnung, Assimilierung und den verheerenden Folgen, die ein solches Verhalten auf die Persönlichkeit hat, könnten sich manchmal eine Scheibe abschneiden von diesen Werten. Der Weltrevolution wär’s zumindest nicht abträglich. Aber man erlebt eben auch ihr Scheitern, das Umschlagen in Zwängen, Erwartungen, Rollenbildern. Weil die Freiheit fehlt, sich selbst zu entfalten. Weil man in der sozioökonomischen Organisierung unserer Gesellschaft nicht als Subjekt wahrgenommen, sondern verwaltet wird, eingegliedert in einen ziellosen Prozess.
Man merkt, dass das eigene Denken, Handeln, Fühlen damit nicht kompatibel ist: Das ist nichts für mich, so werde ich nicht glücklich. (mehr…)