1000 gute Gründe für vegane Ernährung – Kapitalismus bekämpfen und Klimawandel dämpfen

Eine Streitschrift für vegane Ernährung: ökologische und soziale Aspekte veganer Ernährung

In der derzeitigen Klimadebatte wird v.a. auf die industrielle Produktion, den Verkehr und die Wärme- bzw. Stromproduktion abgestellt. Dabei wird oft außer Acht gelassen, dass durch eine andere Ernährung ein großer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann.
Auch lässt sich an der Bereitschaft der Ernährungsumstellung erkennen, ob man persönlich zu Veränderungen bereit ist oder sich damit begnügt darauf zu verweisen, was „die Politik“ oder „die Wirtschaft“ zu tun oder zu lassen habe. Es soll damit die Bedeutung gesamtgesellschaftlicher Lösungen nicht in Abrede gestellt werden. Kritisiert wird jedoch die oft geäußerte Ansicht, dass individuelle Lösungen nichts bringen. Durch den Verweis auf kollektive Lösungen wird sowohl die eigene Bequemlichkeit gerechtfertigt, selbst nicht zu handeln, als auch die eigene „Macht als Verbraucher“ unterschätzt. Zudem wird übersehen, dass fortschrittliche Ansätze oft „am Rande“ (entwickelt und) umgesetzt werden (müssen), bevor weite Teile der Gesellschaft sie adaptieren.
Welchen Einfluss die Ernährungsweise auf das Klima hat und was dem entgegengesetzt werden kann, soll im Folgenden dargestellt werden. Es werden jedoch auch die sozialen Aspekte von herkömmlicher und „klimafreundlicher“ Ernährung einbezogen. Dabei wird deutlich, wie Kapitalismus und Klimawandel zusammenhängen und wie er subversiv und effektiv bekämpft werden kann.

Die Folgen für die Umwelt
Die Landwirtschaft trägt zum Klimawandel in etwa soviel bei wie der Verkehr – ca. 20 % der CO2-Äquvialtente. Dies liegt hauptsächlich an der konventionell betriebenen Landwirtschaft und der Massentierhaltung.
Ein Verzicht auf Fleisch und tierischen Produkten steht auf der Agenda
Bei der konventionellen Landwirtschaft werden durch den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden Stoffe wie Methan freigesetzt, die den Klimawandel beschleunigen.
Die entscheidende Rolle spielt aber der Konsum von tierischen Produkten, insbesondere die von Paarhufern wie Kühen und Ziegen sind problematisch. Denn Paarhufer erzeugen bei der Verdauung Methan und Lachgas, das weitaus schädlichere Auswirkungen auf das Klima hat als CO2.
Aber auch der Umstieg auf Geflügel- und Schweinefleisch löst das Problem nicht gänzlich. Denn um eine Kalorie Fleisch zu erzeugen werden im Durchschnitt 6,5 pflanzliche Kalorien verfüttert, deren Anbau jedoch klimaschädliche Gase in die Atmosphäre gelangen lässt. Zu der an sich schon problematischen Herstellung des Futtermittels kommen noch Lagerung und Transport des Fleisches hinzu, was aufgrund der dauerhaft erforderlichen Kühlung energieintensiv ist. Ebenso verhält es sich bei Milch und Milchprodukten wie Käse und Joghurt. Die Ernährung mit ökologisch erzeugten Nahrungsmitteln ist nur in der Hinsicht besser, dass der Anbau von Futtermittel und Gemüse klima- und auch insgesamt umweltfreundlicher ist.
Zwar ist die Fischerei nicht per se klimaschädlich. Doch aufgrund der seit Jahren anhaltenden Überfischung der Meere stellt der Umstieg auf Meeresgetier keine gangbare Alternative dar.
Wie die herkömmliche (Nahrungs- und) Futtermittelproduktion funktioniert lässt sich exemplarisch an folgendem Beispiel aufzeigen: auf gerodeten Flächen des Regenwaldes in Brasilien wird, nachdem das Edelholz „geerntet“ wurde und die Rinderherden drübergejagt wurden, in riesigen Monokulturen genmanipuliertes Soja unter Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden angebaut, die eine hohe Menge klimaschädlichen Gases freisetzen. Ca. 50% dieses Sojas wird dann nach Europa transportiert und dort zahlreichen Lebensmitteln zugesetzt bzw. unter Beifügung von Tiernahrungsergänzungsmitteln wie Antibiotika, Wachstumshormonen, etc. als Tierfutter verwandt. Die Tiere werden dann an der deutsch-polnischen Grenze von schlechtbezahlten polnischen Schlachtern zerlegt und ggf. nach einer oder mehreren Verarbeitungsstufen gekühlt über Groß- und Zwischenhändlern zu den Verbrauchern gebracht. Zwischen Schlachtung und Verzehr müssen die Fleischwaren ständig gekühlt werden, was insbesondere bei nicht geschlossenen Kühlgeräten viel Energie verbraucht.
Vergleich zwischen verschiedenen Ernährungsweisen, dargestellt in Autokilometern, pro Kopf und Jahr: siehe grafische Darstellung.

global
Auch für die globale Ernährungsfrage ist die Futtermittelproduktion von Bedeutung. Die hohen Nahrungsmittelpreise liegen nämlich nicht nur an der Verwendung von Getreide etc. zur Herstellung von Biokraftstoffen. Der weit überwiegende Teil der weltweiten Ackerflächen werden nämlich zur Futtermittelherstellung genutzt, die zur Massentierhaltung benötigt werden.
In den Ländern, die in den letzten Jahren einen rasanten wirtschaftlichen Aufstieg erlebt und erlitten haben (z.B. China und die Tigerstaaten), profitieren auch Bevölkerungsschichten davon, die bisher in relativer Armut lebten. Die nun wohlhabenderen Schichten streben die westliche Lebensweise an, der u.a. hohen Milch- und Fleischkonsum mit sich bringt, wie die bei der Aufregung um sprunghaft gestiegenen Milchpreise im Frühjahr 2008 deutlich wurde. Da die westliche Lebensweise gerade nicht klimafreundlich ist, würde ihre weitere Ausbreitung zu einer enormen Belastung für die Erde. Es ist daher erforderlich, diese Vorbildrolle verantwortungsvoll wahrzunehmen, d.h. die eigene Lebensweise umzustellen. Denn es kann nicht glaubhaft Gemüse gepredigt und dann Fleisch (Tierprodukte) gegessen werden.

Lokal
Auch lokal ist die Massentierhaltung problematisch, weil dafür viel Wasser benötigt wird und es für die in rauen Mengen anfallende Gülle keine sinnvolle Verwendung gibt. So wird sie oft in zu großen Mengen auf die Felder gebracht, was das Grundwasser stark belastet und letztlich auf den menschlichen Organismus und die Tierwelt einen negativen Einfluss hat, der sich derzeit schon ansatzweise erahnen lässt. Allein in den USA produzieren die für den Menschlichen Verzehr gezüchteten Tiere 130-mal mehr Exkremente als die gesamte Weltbevölkerung: 39000 kg pro Sekunde.

Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Ernährung

Kennzeichen des Kapitalismus ist die reine Gewinnorientierung. Im Bereich der Ernährung bedeutet dies beispeilsweise, dass soziale und ökologische Belange nur insoweit berücksichtigt werden, als dies zur Gewinnerzielung erforderlich ist, also der Markt und schließlich die Verbraucher dies bei der Auswahl des Produkts berücksichtigen.
Die Schnellmästung von Tieren wird durchgeführt, damit das Kapital möglichst kurz gebunden ist und die Produktionsmittel möglichst gut ausgelastet sind.
Auch an der ökologischen Erzeugung von Obst und Gemüse hat die Industrie wenig Interesse, da weniger industrielle Produkte wie Dünger und speziellen Maschinen eingesetzt werden. Zudem lässt sich die „echte“ ökologische Nahrungsmittelproduktion nicht im industriellen Ausmaß betreiben, da Teil des Konzepts die lokale Herstellung ist, auch um die Transportwege gering zu halten. Schließlich sind solche ökologische erzeugte Nahrungsmittel gesünder.
In dem man tierische Eiweiße im Speiseplan reduziert, auf lokal, saisonal, ökologisch erzeugte Produkte großteils umsteigt und, soweit noch vorhanden, diese bei einem kleinen Geschäft kauft (z.B. Bioläden und nicht bei Bioketten), enthält man sich wesentlicher kapitalistischer Strukturen und leistet gleichzeitig einen großen Beitrag für den Umweltschutz und gegen den Klimawandel, handelt mithin nachhaltig. Dies kommt auch der eigenen Gesundheit zugute. Wie inzwischen Studien ergeben haben, hängen einige Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Herzinfarkt, Diabetes, Krebs, Allergien und hoher Cholesterinspiegel mit übermäßigem Konsum an tierischem Eiweiß zusammen.
Aber nicht nur die Fleisch- bzw. Milchindustrie, landwirtschaftliche Großerzeuger und Chemieunternehmen, die die Düngemittel und Pestizide herstellen, haben wenig Interesse an der Reduktion tierischer Eiweiße im Speiseplan. Auch die Pharmaindustrie zieht daraus Gewinn. Die Behandlung von Krankheiten stellt ein lohnendes Unternehmen dar. Und gerade chronische Krankheiten, was die meisten Zivilisationskrankheiten sind, haben eine lebenslange „Kundenbindung“ zur Folge.
Die Politik, die durch Wahlkampfspenden, Lobbyarbeit und andere Methoden gezielt beeinflusst wird, drückt sich vor ihrer eigentlichen Verantwortung, die ganze Problematik umfassend zur gesellschaftlichen Diskussion zu stellen und beschäftigt sich lieber mit Detailfragen, sodass der Blick für das Ganze verloren geht und Platzhalterdiskussionen geführt werden. Zudem wird die herkömmliche Landwirtschaft und Massentierhalter staatlich subventioniert. Nicht nur durch direkte Beihilfen, sondern auch indem die Folgekosten der umweltschädlichen Produktion und des Konsums von der gesamten Gesellschaft getragen werden müssen, anstatt in den Preis mit einbezogen zu werden. Um den Fleischkonsum zu reduzieren wird die teilweise eine Fleischsteuer gefordert. Tatsächlich ist jedoch ein Umdenken hinzu neuen (alten) Produktionsformen erforderlich.

Ausräumung von Bedenken gegen vegane Ernährung
Die Bedenken die gegen vegane Ernährung geltend gemacht werden, lassen sich bei näherem Hinschauen ausräumen. Damit vegane Ernährung gesund ist, erfordert es allerdings die Beachtung einiger Zusammenhänge hinsichtlich der Kombination von verschiedenen Lebensmitteln. Diese sind nicht übermäßig kompliziert, setzen jedoch einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln und bei der Zubereitung der Speisen voraus bzw. führen zu einem solchen. Es ist nicht nötig, gänzlich auf jegliche tierische Produkte zu verzichten. Würde ein Großteil der Menschen in der westlichen Welt es bei einem Sonntagsbraten belassen und ihren Milchproduktkonsum halbieren und die Lebensmittelindustrie nicht jedem Produkt unnötig tierische Produkte zusetzen, wäre schon ein großer Schritt getan.


2 Antworten auf „1000 gute Gründe für vegane Ernährung – Kapitalismus bekämpfen und Klimawandel dämpfen“


  1. 1 martin 06. Januar 2010 um 20:52 Uhr

    Zum Ausräumen von Bedenken und Gegenargumenten eignet sich auch das FAQ auf veganismus.de.

  2. 2 knrd 05. Februar 2010 um 12:18 Uhr

    Danke für diesen Artikel.

    Leider werden ethische Gründe für den Veganismus nicht erwähnt, obwohl sie zu dem laut Selbstverständnis „gewaltfreien“ Kritischen Kollektiv gut passen würden.

    Der letzte Absatz ist leider vollkommen daneben. Hier könnte genauso gut stehen: „damit UNvegane Ernährung gesund ist, ist ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln notwendig“
    Der Absatz suggeriert, dass nichtvegane Ernährung automatisch gesund ist und räumt somit Bedenken gegen den Veganismus nicht aus dem Weg, sondern bestärkt die verbreiteten Vorurteile, dass man quasi studierter Ernährungswissenschaftler sein muss, um sich gesund vegan ernähren zu können.

    Auch das Wort „Verzicht“ (auf tierische „Produkte“) ist völlig falsch gewählt. Ich denke, die wenigsten VeganerInnen bezeichnen ihre Lebensweise als Verzicht (sondern eher als Bereicherung!), höchstens scherzhaft als Verzicht auf Zivilisationskrankheiten ;)

    Auch das alleinige Anprangern der „bösen Massentierhaltung“ erweckt den falschen Eindruck, dass man mit „bio“-Tierprodukten das schlechte Gewissen bereinigen könnte. Aber auch hier werden Küken gesext usw.usf. Werde ich jetzt nicht komplett ausführen, denn wer sich ernsthaft und nicht nur alibimäßig mit dem Thema auseinandersetzt, wird dazu genug Informationen finden, die von der Notwendigkeit (nicht wie im letzten Absatz behauptet!) des Veganismus überzeugen können.

    Schade um den guten Ansatz! Vielleicht in der nächsten Zeitung nochmal eine überarbeitete oder neue Version? :)

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