Schwarzfahren für soziale Teilhabe

Um gegen die Verurteilung einer 61jährigen Mainzerin wegen Schwarzfahrens zu protestieren, beteiligten sich am heutigen Tag rund 20 Menschen, erstmals auch aus dem Kritischen Kollektiv, der Gruppe diskursiv und der FAU Frankfurt an der „Jeden-Monat-Demo“ der Mainzer Initiative gegen HARTZ IV.

Mit „Schwarzfahrer_in“-Schildern solidarisierten sich die Demonstrierenden mit der ALG-II-Empfängerin. Der Protest richtete sich gegen die Gefängnisstrafe wegen Schwarzfahrens ebenso wie gegen die Hartz-IV-Gesetzgebung, die Erwerbslose und einkommensschwache Gruppen an den Rand der Gesellschaft drängt.

Die Schwarzfahraktion (hier unser Redebeitrag) wurde umgehend zum Stadtgespräch: Nachdem die Allgemeine Zeitung berichtet hatte, ereiferten sich zahllose gute Staatsbürger über die unverschämte Forderung nach Fahren ohne Fahrschein. Nun reagierten auch die Stadtratsfraktionen der Grünen sowie der Linkspartei mit der Forderung nach einem erschwinglichen, sich am Regelsatz orientierenden Sozialticket. Erfreulich, dass das Thema „Recht auf Mobilität“ endlich in der öffentlichen Diskussion angekommen ist!

Zu wenig ist es jedoch, wie der Grüne Stadtrat Köbler lediglich an die Einsicht der MVG zu appellieren. Denn der Mainzer Stadtrat hat die Gelegenheit, in der MVG als städtischen Betrieb selbst ein bezahlbares Sozialticket einzuführen. Für die Betroffenen wäre das immerhin ein Anfang in Richtung „Recht auf Mobilität“! Solange es bei folgenlosen Appellen bleibt, gibt es jedoch keinen Grund, sich zufrieden zu geben – so hoffen wir, dass es in naher Zukunft weitere Aktionen zu diesem Thema geben wird.