„Kein Podium
für Rassismus und Hetze!“

Presseerklärung vom 25.06.2011
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Klartext“ der Wirtschaftsjunioren Rhein-Neckar wird am 30. Juni Hobbywissenschaftler und Buchmillionär Thilo Sarrazin im Mannheimer Rosengarten auftreten. Dass hier jedoch in keinster Weise „Klartext“ zu erwarten ist, sondern kruder Biologismus und rassistische Hetze, legt nicht erst dessen jüngste Buchveröffentlichung nahe. Wiederholungstäter Sarrazin fiel schon in den vergangenen Jahren regelmäßig durch Hohn und Verachtung gegenüber Arbeitslosen und anderen sozial Benachteiligten auf. Von Politikern, gesellschaftlichen Gruppen und Oberbürgermeister Peter Kurz wurde die Veranstaltung bereits scharf kritisiert, vor allem Gerhard Fontagnier (Bündnis90/die Grünen) schlug hier mutig eine klare Sprache an.
Auch das Kritische Kollektiv mit seinem Mannheimer Arbeitskreis fordert eindringlich die Ausladung des Rassisten und kritisiert die Wirtschaftsjunioren: „Die menschenverachtenden Thesen Sarrazins fördern Konkurrenz, Ausgrenzung und Hass und verschärfen das ohnehin rassistische Klima der Gesellschaft. Dass solchen Positionen ein Podium geboten wird, empfinden wir als ein Unding!“, so Florian E. vom Kritischen Kollektiv Mannheim. Indem der Fokus auf vermeintliche Verhaltensdefizite einer neuen Unterschicht gelegt werde, würden nicht nur soziale Problemlagen verschleiert, sondern ein menschenverachtender Ansatz in Gang gebracht werden, sich den „Überflüssigen“ der Erwerbsgesellschaft zu entledigen.

Doch den AktivistInnen ist klar: Sarrazin ist nicht das Problem. Das Problem ist die Unterstützung, die ein solcher Rassismus tagtäglich aus der sogenannten Mitte der Gesellschaft von Parteien, Funktionären und BürgerInnen erfährt, und die Zustimmung, die sich – mal lautstark und öffentlich, mal hinter vorgehaltener Hand – äußert. Neben dem biologistischen Rassismus, der die Menschen nach Aussehen, Herkunft und Abstammung bewertet und der in Sarrazins Buch so deutlich zitiert wird, ist ein Nützlichkeitsrassismus und dessen Konkurrenzideologie längst an der Tagesordnung und politische Realität.
Nach wirtschaftlichen Kriterien sortiert man potentielle Zuwanderer, heißt „Nützlinge“ mit Doktortitel und hoher Qualifikation willkommen und drängt „Schädlinge“ in den Niedriglohnsektor und an den Rand der Gesellschaft, gettoisiert sie, oder fängt sie gleich ganz vor den Grenzen ab. Ein würdiges Leben bleibt ihnen verwehrt: Abschiebeknäste, Auffanglager und Ausländerbehörden in ganz Deutschland dokumentieren diese von der sogenannten politischen und gesellschaftlichen Mitte geduldete Praxis. Zu sehr wurde die wirtschaftliche Konkurrenz verinnerlicht, zu groß die von Verlagen wie Springer, konservativen Parteien und Rechtspopulisten geschürten Ängste, dass „die“ „uns“ etwas wegnehmen könnten.

„Eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Migration kann nicht mit einem ‚Hassprediger’ wie Thilo Sarrazin erfolgen“, erklärt Elmar H. vom Kritischen Kollektiv, „sondern nur in respektvollen Gesprächen auf Augenhöhe und im Austausch mit den Menschen selbst stattfinden.“ Saskia D. ergänzt: „Wir wollen eine solidarische und friedliche Gesellschaft, frei von jeglichem Rassismus, von Abschiebung, Selektion und Ausgrenzung. Rassistischer Hetze, die Menschen gegeneinander aufbringt, werden wir jederzeit entschieden entgegentreten.“ Sollte die Ausladung Thilo Sarrazins nicht erfolgen, wird das Kritische Kollektiv gemeinsam mit AntirassistInnen und Gruppen aus der Region zu massivem Protest aufrufen.


2 Antworten auf „„Kein Podium
für Rassismus und Hetze!““


  1. 1 bibi778 27. Juni 2011 um 9:27 Uhr

    Der Mann ist einfach nur gestört und ein Armutszeugnis für Deutschland!

  1. 1 Keine Bühne für Salonrassismus in Mannheim – Weblog von Elmar Herding Pingback am 27. Juni 2011 um 16:12 Uhr
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