„Wir alle sind die Stadt“

Pressemitteilung des Nachttanz-Bündnisses vom 04. August 2012

2. Mainzer Nachttanzdemo mit über 1000 TeilnehmerInnen

Unter dem Motto „Wir alle sind die Stadt“ haben sich am Freitag Abend über 1000 Menschen tanzend und feiernd ein Stück öffentlichen Raums in Mainz zurückerobert. Trotz Schikanen im Vorfeld und zwei brutalen Festnahmen während der Demonstration schätzt das Bündnis die zweite Nachttanzdemo als Erfolg ein. „Wir haben gezeigt, dass wir angesichts der Raumnot für soziale, politische und kulturelle Initiativen in Mainz und völlig überteuerter Mietpreise neue unkommerzieller Freiräume dringend brauchen und bestehende Freiräume wie das Haus Mainusch erhalten bleiben müssen.“, beschreibt Christian Gruber von der Initiative Neutorschule. „Wir freuen uns, dass uns während der Nachttanzdemo so viele Anwohnerinnen und Passanten mit Interesse und Symphatie begegnet sind.“

Die Demonstration startete mit einer Auftaktkundgebung am Hauptbahnhof. Mit viel Glitzer, Discokugeln, bunten Outfits und kleineren pyrotechnischen Einlagen ging es durch die Neustadt über den Theaterplatz bis hin zum Gebäude der ehemaligen Neutorschule. Drei Musikwagen mit Klezmer, Balkanbeats, Dubstep, Techno, Ska und House begleiteten die bunte und fröhliche Menge. Überschattet wurde die friedliche Veranstaltung durch zwei gewaltsame Festnahmen an einer Bushaltestelle in der Kaiserstraße. Mit Schlagstöcken bewaffnet knüppelten mehrere Polizeibeamte zwei Demonstrierende brutal nieder, die angeblich Pyrotechnik gezündet haben sollen. Wenig später wurde Tränengas eingesetzt. „Das gewaltsame Vorgehen der Polizei schockiert uns.“ äußert sich David Häußer vom Magazin FICKO. „Wir sind alle gemeinsam für unser Anliegen auf die Straße gegangen und lassen uns nicht in friedliche Demonstrierende und böse Fußballfans spalten.“

Schon im Vorfeld musste sich das Bündnis „Wir alle sind die Stadt“ mit schikanösen Auflagen des Ordnungsamtes und polizeilichen Repressionen auseinandersetzen. Die Lautstärke der Demonstrationswagen durfte nicht mehr als 70 Dezibel betragen, was ungefähr der Lautstärke eines Rasenmähers entspricht. Kostenpflichtig mussten die VeranstalterInnen ihre Wagen verplomben lassen, einer der Anmelder wurde wegen weniger falsch plakatierter Plakate angezeigt. „Wir verstehen nicht, warum es uns so schwer gemacht wird, für ein Anliegen, das im Interesse der Allgemeinheit liegt, an die Öffentlichkeit zu gehen.“, empört sich Judith Kissel vom Kritischen Kollektiv / iL Rhein-Neckar.

Ihr Recht auf Stadt ließen sich die über 1000 Demonstrierenden dennoch nicht nehmen. In Redebeiträgen formulierten die Gruppen diskursiv, Haus Mainusch, Initiative Neutorschule, Gemeingut in Bürgerhand, Vertreter der aktiven Fanszene von Mainz 05 sowie Peter Grottian, emeritierter Professor am Otto-Suhr-Institut Berlin, den gemeinsamen Nenner der Veranstaltung: Künstler, Aktivistinnen, Sportfans und soziale Einrichtungen brauchen Raum für ihr Engagement und machen die Stadt lebendig und vielfältig. Daher begrüßt es das Demonstrationsbündnis, dass Aktivistinnen und Kreative in derselben Nacht in ein seit langem ungenutztes Gebäude an der Oberen Austraße 7 eingezogen sind, um daraus ein unkommerzielles Zentrum für Begegnung und Vernetzung zu machen.