Kritische Mannheimer StudentInnen…


…es gibt sie: In den vergangenen Wochen bestückten unbekannte Mannheimer StudentInnen Lehrbücher und Hörsäle mit Flyern, deren Texte die „neoliberale Denkschule des ökonomischen Mainstreams“, die in den Mannheimer Wirtschaftswissenschaften maßgeblich gelehrt wird, kritisieren. Sie fordern die Gleichberechtigung mit anderen Denkschulen: („Gemeinschaftsgüter, ökologische Ökonomie, Décroissance“) – we like and share:

Flyertext:

Liebe KommilitonInnen!

Wir StudentInnen der Mannheimer Wirtschaftswissenschaften bekommen bereits zum Beginn unseres Studiums die Modelle neoklassischer Theorien eingetrichtert: Schon bevor wir verstanden haben, dass P=MC automatisch ein Pareto-Optimum herbeiführen soll, haben sich unsere wissenschaftlichen Methoden und Werkzeuge sowie unsere Einschätzung volkswirtschaftlicher Zusammenhänge einzig unter neoklassischen Prämissen entwickelt. Dagegen werden leider kaum alternative ökonomische Betrachtungsweisen aufgezeigt, Thesen und Themenfelder wie z.B Informationsasymmetrien, Gemeinschaftsgüter, ökologische Ökonomie, Décroissance, Postkeynesianismus, Evolutionsökonomie oder die alte Institutionenökonomie werden – wenn überhaupt – nur unzureichend oder gar nicht behandelt.
Ein reflektiertes Bewusstsein darüber, dass in den Wirtschaftswissenschaften ganz bestimmte menschliche Verhaltensannahmen zugrunde gelegt werden, welche auf ganz bestimmten Denkschulen basieren, und dass es darüberhinaus noch eine Vielzahl von Verhaltensmodellen gibt, ist bedauerlicherweise nicht vorhanden. Neoliberale Denkmuster des ökonomischen Mainstreams werden in diese Zuge geradezu zu Fakten erhoben und gelten plötzlich als naturgegeben. Die Pluralität der Denkschulen wird bewusst nicht vermittelt, sodass es uns erschwert wird, eine reflektierte und kritische Distanz zu den unterschiedlichen Theorien aufzubauen. Eine wertfreie, unpolitische Lehre und Forschung ist unter diesen Umständen nicht möglich.

Deshalb fordern wir, dass uns von Anfang an eine Übersicht über die unterschiedlichen Theorien gegeben wird und dass ein gleichberechtigtes Studium der verschieden Denkschulen möglich sein muss.

In diesem Sinne: wagt einen Blick über den Tellerrand hinaus – es lohnt sich.

Eure KomilitonInnen

http://www.real-world-economics.de
http://www.plurale-oekonomik.de
http://www.solidarische-moderne.de