Neckarstadt Nazifrei!

Blockaden verhindern die rassistische Kundgebung der NPD Rhein-Neckar
Statement der Menschen vom AK Antifa Mannheim
Entnommen von: Indymedia linksunten

Eine starke Mobilisierung in Mannheim sorgte heute für entschlossene antifaschistische Aktionen in der Neckarstadt, die zur Verhinderung der geplanten NPD-Kundgebung führten. Der breite antifaschistische Konsens der Mannheimer_innen, die Unterstützung von auswärtigen Genoss_innen und die Bereitschaft zur Blockade sorgten für diesen Erfolg. Für die NPD um ihren Kreisvorsitzenden Jan Jaeschke wurde der Tag zum peinlichen Desaster.

Zwei Demos – ein Ziel: Naziaufmärsche unmöglich machen!

Die vom Bündnis Mannheim gegen Rechts organisierten Aktionen begannen um 9 Uhr mit zwei koordinierten Demonstrationen. Eine begann auf dem Neumarkt in der Neckarstadt und wurde maßgeblich vom AK Antifa organisiert. Der zweite von DGB und Falken organisierte Zug startete mit vielen politischen Funktionsträger_innen am Gewerkschaftshaus. Auf dem Alten Messplatz vereinten sich die beiden Züge zu einer großen gemeinsamen Kundgebung, was für gute Stimmung am frühen Morgen sorgte. Redebeiträge wurden in deutscher, türkischer und bulgarischer Sprache gehalten. Auf dem Messplatz war die Polizei schon früh mit starken Kräften vertreten und hatte eine Art „Laufstall“ für die Nazis mit so genannten Hamburger Gittern abgesperrt.

Rund um den Platz waren Menschen in den Tagen und Nächten zuvor aktiv gewesen und zeigten im öffentlichen Raum Präsenz. Das Kulturzentrum Alte Feuerwache war mit zwei riesigen Transparenten geschmückt. An einem Bauzaun an der Kurpfalzbrücke, dem Eingang zur Neckarstadt, war ein etwa 20 Meter breites Banner befestigt, auf dem auch für Aktionen in Pforzheim (23.02), Landau (16.03) und Frankfurt (01.05) geworben wurde. In den Seitenstraßen warben Graffitis, Parolen und Plakate für die Aktionen.

Das freie Radio Bermuda.funk spielte den ganzen Tag über eine Radiosendung, wobei abwechselnd Informationen und antifaschistische Musik gesendet wurden. Die Alte Feuerwache, das Kunstprojekt Einraumhaus und der Lautsprecherwagen von Mannheim gegen Rechts übertrugen das Programm lautstark über den ganzen Platz. Weitere Unterstützung erfuhren wir von einem antifaschistischen, glitzerden Einhorn. Darüber hinaus Informierten sich die Antifaschist_innen per Infotelefon und Twitter über die aktuelle Situation.

So konnte die spontane Blockade der Bahngleise organisiert werden. Kurz vor 11 Uhr setzten sich entschlossen hunderte Menschen in Bewegung, blockierten erst die Kurpfalzbrücke, später auch die Gleise am nördlichen Messplatz und die Dammstraße und legten damit den öffentlichen Verkehr lahm. Die dynamischen Blockaden verhinderten die Anreise der NPD-Anhänger_innen. Alle möglichen Zufahrten des riesigen Messplatz waren dicht. Gegen 13 Uhr gaben die Nazis auf und Mannheim gegen Rechts feierte seinen verdienten Erfolg. Auf dem Platz wurde getanzt und in den Kneipen und Cafés um den Platz herrschte beste Stimmung.

„Sicherheit durch Recht und Ordnung“

Zur NPD-Kundgebung hatte es letztlich nur der Lautsprecherwagen aus Pirmasens samt Besatzung geschafft. Kreisvorsitzender Jaeschke musste vergeblich auf seine Anhängerschaft warten und mit seiner Handvoll UnterstützerInnen aus der Westpfalz zwei Stunden bis zur Aufgabe warten. Die Anwesenheit der Nazis sorgte wenigstens bei den Menschen um den „Laufstall“ für Erheiterung. Versuche der Nazis, mit Musik und Reden ihre Propaganda abzuspielen scheiterten an der wesentlich lauteren Gegenveranstaltung. Auf der NPD-Versammlung stellten Antifaschist_innen während dessen eine Ordnungswidrigkeit fest. Der Lautsprecherwagen hatte nämlich mit roter Plakette verbotenerweise die Umweltzone befahren. Ein Antifaschist ließ es sich nicht nehmen, bei der Polizei eine schriftliche Anzeige aufnehmen zu lassen. Den Fahrzeughalter erwartet nun ein Bußgeldbescheid und ein Punkt in Flensburg.

Eine Straßenbahn mit etwa 30 gemeinsam anreisenden Nazis wurde von der Polizei auf der Breiten Straße kurz vor der Abendakademie aufgehalten. Aufgrund der Blockade der Kurpfalzbrücke gab es kein Durchkommen. Nach einer guten Stunde Warten fuhr die Bahn eine geänderte Route über die Friedrich-Ebert-Brücke an den Rand der Neckarstadt-Ost. Die Nazis stiegen am Ludwig-Frank-Gymnasium aus und warteten an einer Straßenecke bis ein Sonderbus angefahren kam, der vermutlich von der Polizei organisiert war. Die Einfahrt diese Busses in die Neckarstadt wurde an der Käfertaler Straße von kleinen Barrikaden behindert, es gab an dieser Stelle sogar einen mutigen Angriff autonomer Antifas auf den Bus, der Richtung Innenstadt abbog und die Nazis in Richtung Ludwigshafen fuhr. Am Berliner Platz angekommen, versuchten sie eine Spontandemonstration durchzuführen, was jedoch von der Polizei verhindert wurde. Kurzfristig hatten sich dort bereits einige Antifaschist_innen versammelt.
Kurz vor 13 Uhr packte dann auch der NPD-Lautsprecherwagen auf dem Alten Messplatz zusammen. Zum Abschied wurden die Nazis mit Eiern beworfen, bevor sie, von der Polizei begleitet, die Neckarstadt verließen.

Nachdem die Polizei in Ludwigshafen den Nazis Platzverweise erteilt hatte, fuhren diese ab in Richtung Mannheim-Rheinau, wo sie ihre Autos geparkt hatten. Auch dort waren nach kurzer Zeit Antifaschist_innen eingetroffen, es fanden aber keine größeren Aktionen mehr statt.

Fazit: Ein antifaschistischer Erfolg auf der ganzen Linie

Nachdem es an den erfolgreichen Aktionen von Mannheim gegen Rechts 2012 in Neckarau auch berechtigte Kritik gab, kamen heute alle auf ihre Kosten. Dies lag daran, dass die Menschen massenhaft spontanen zivilen Ungehorsam als anschlussfähige Aktionsform entdeckten. Neben autonomen Antifas blockierten auch etablierte Politiker_innen und Anwohner_innen die Bahngleise und bildeten gemeinsam eine breite Front gegen die Nazis. Die Polizei hielt sich zurück und sorgte durch ihr deeskalierendes Verhalten dafür, dass die Aktionen größtenteils friedlich verliefen. Dies war aber erst durch die Vorarbeit des Bündnis Mannheim gegen Rechts möglich, das es geschafft hat, in der Stadt ein gesellschaftliches Klima zu etablieren, in dem Nazis von allen Seiten als unerwünscht angesehen werden. Während die Nazis den heutigen Tag wohl lieber vergessen wollen, hat der 16. Februar 2013 aus antifaschistischer Sicht gezeigt, dass entschlossenes und solidarisches Handeln gegen Nazis notwendig ist und erfolgreich sein kann.