Unsere Solidarität gegen ihre Repression!

Interview mit dem Kritischen Kollektiv / iL Rhein-Neckar

Solikreis: Warum beteiligt ihr euch an der Demo?
Wir unterstützen die Arbeit des Mannheimer Solikreises, zum einen, weil wir empört sind angesichts der Brutalität, mit der Polizei und Staatsanwaltschaft im Oktober gegen die drei Mannheimer Antifaschist_innen vorgegangen sind,zum anderen, weil wir diesen Repressionsschlag als besonders eindrücklichen Höhepunkt einer Serie behördlicher Übergriffesehen. Dem liegt ersichtlich das Bemühen zugrunde, den Rückhalt, den antifaschstische Arbeit momentan in Teilen der Bevölkerung findet – dies zeigen etwa die Moblisierungserfolge des Bündnis „Mannheim gegen Rechts“ – zu brechen und dieAktivist_innenzu kriminalisieren. Auch wiraus den Reihen des Kritischen Kollektivs / iL Rhein-Neckar warenim vergangenen Jahr Einschüchterungsversuchen ausgesetzt und mussten des öfteren in Polizeikessel ausharren und ED-Behandlungen über unsergehen lassen. Wir sind wütend, aber dabei wollen und werden wir nicht stehen bleiben.

Solikreis: Wie schätzt ihr die gesellschaftliche Entwicklung zu Rassismus, Repression und Krise ein?
In Zeiten der kapitalistischen Krise finden vermehrt Verteilungskämpfe statt, zwischen den Ländern des globalen Nordens gegen jene des Südens, zwischen den Ländern Zentraleuropas gegen die „Krisenländer“, vor allem aber auch zwischen den sozialen Milieus. Nun legen sich jene Menschen, die häufig selbst knapp bei Kasse sind,in der Regelnicht mit jenen an, bei denen tatsächlich etwas zu holen wäre. Hierfürsind viele von ihnen meist zu eingeschüchter, zu unentschlossen oder zu feige. Stattdessen klammert sich die Mehrheit an einen starken Staat und hetzt gegen jene Minderheiten,häufigSinti und Roma, Flüchtlinge sowie Migrant_innen aus den Balkanländern, die vermeintlich das wenige gefährden, das man besitzt. Den Herrschenden ist dies meist ganz recht, scheint doch „divide et impera“, teile und herrsche, noch immer eine verlässliche Maxime. Das ist der Boden für jene Normalbürger_innen, die nun, ähnlich wie in den 90er Jahren, mit Fackelzügen gegen Flüchtlingsheime demonstrieren. Hiergegen bedarf es dringend einer antifaschsitischen Intervention.

Solikreis: Warum sollen die Leute auf die Demo kommen?
Einsätze wie jener im Oktober finden wegen ihrer politischen Wirkung nicht ohne Rückendeckung „von oben“ statt. Verantwortung für die zahlreichen, überzogenen und rechtswidrigen Übergriffe auf Antifaschist_innen in den letzten Jahren trägt daher auch die grün-rote Landesregierung. Es ist an der Zeit, ein deutliches Signal zu setzten, dass wir dieses Vorgehen nicht weiter hinnehmen. Ebenso deutlich sollgezeigtwerden, dass wir uns nicht an den Rand drängen und kriminalisieren lassen. Weil Rassismus mitunter auch ein Problemder gesellschaftlichen Mitte ist, muss auch die antifaschstische Bewegung auf diese Mitteabzielen und mitunter auch aus ihr heraus agieren. Besonders in diesen Zeiten staatlicher Kriminalisierungsversuche sind wir deshalb auch auf jene Genoss_innen angewiesen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, nicht jedes Wochenende rechten Aufmärschen in den Weg stellen können oder wollen.

Für eine starke antifaschistische Bewegung!