#convoyofhope

Mit einigen Tagen Abstand…

Mit einigenTagen Abstand blicken wir nun auf den ‪#‎convoyofhope‬ zurück:
Wir haben gesehen, welches Leid die europäische Abschottungspolitik hervorbringt, wie nötig Hilfe ist. Wir haben die Festung Europa als frustrierend empfunden, konnten aber auch zeigen, dass ihre Grenzen überwindbar sind.

Die Ereignisse begannen sich kurz nach dem Sammeln des Konvois in ‪#‎Wien‬ am Montagnachmittag zu überschlagen: Flüchtlinge wurden in Massen an die österreichisch-ungarische Grenze gebracht und so änderte sich noch während der Fahrt unser Ziel: Ab jetzt würden wir die ganze Nacht durch strömenden Regen zwischen ‪#‎Nickelsdorf‬ und Wien pendeln, um die Geflüchteten dort in Notunterkünften unterzubringen.

Schon einige Kilometer vor Nickelsdorf warteten die ersten Flüchtlinge an den Straßenrändern und liefen erschöpft auf die ankommenden Autos zu: Eltern, die kaum noch in der Lage waren ihre eigenen Kinder zu tragen, gehbehinderte Menschen, bei denen man sich fragte, wie sie tausende Kilometer zurücklegen konnten, Alte und Junge. Von öffentlichen Stellen keine Spur, hier und da war das rotierende Blaulicht der überforderten Polizei zu sehen, die sich darauf beschränkte mehr schlecht als recht den Verkehr zu regeln. Anstatt die freiwilligen Helfer zu unterstützen, ließ sie nach kurzer Zeit nur noch Taxis an die Grenze. Viele Taxifahrer machten aus der Not der Flüchtenden ein Geschäft und nahmen bis zu 500 € für die 65 km nach Wien, während Ehrenamtliche teils weite Strecken durch den Regen laufen mussten, um die Flüchtlinge am Grenzübergang abzuholen und ihnen zu erklären, dass sie auch kostenlos nach Wien kommen können.

In Wien selbst war die Lage unübersichtlich bis chaotisch und auch hier kaum eine Spur von Behörden zu sehen. Am Hautbahnhof organisierte die Train of Hope – Hauptbahnhof Wien #hbfvie die anströmenden Menschenmassen und leistete dabei unglaubliches! Trotzdem bildeten sich Zeltstädte in Unterführungen, drängen sich Menschen in die Bahnhofhalle. Bis tief in die Nacht hinein fuhren wir zwischen Wien und Nickelsdorf hin und her, um am frühen Morgen endlich schlafen zu gehen.

Am Morgen darauf begann nach drei Stunden Schlaf der Tag des Konvois. Dank enger Zusammenarbeit mit Trains of Hope konnten wir am Nachmittag Wien mit einem Autokorso voller Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan verlassen. Während die Flüchtlinge am Vortag meist vor Erschöpfung im Auto einschlafe waren, hatten wir nun am Tage und auf der längeren Fahrt mehr Zeit, die einzelnen Schicksale der Flüchtlinge kennenzulernen, was teils sehr ergreifend war. Unser Ziel war die Grenzstadt ‪#‎Freilassing‬, die wir ungehindert erreichten. Von dort ging es zu Fuß den letzten Kilometer an die deutsch-österreichische Grenze, wo die sichtlich erleichterten Flüchtlinge Asyl bei der Grenzpolizei beantragten. Im Anschluss wurden wir von der Polizei festgehalten und über den Tatbestand der Schlepperei aufgeklärt, nach kurzer Zeit dann aber wieder gehen gelassen.

Was hier in wenigen Sätzen zusammengefasst niedergeschrieben steht, war ein großer Kraftakt – die mangelnden und zum Teil widersprüchlichen Informationen z. B. über die Situation an den Grenzen, haben die Entscheidungsprozesse in die Länge gezogen, dazu kam Müdigkeit und Erschöpfung, der ständige Versuch mit den nicht englischsprechenden Flüchtlingen zu kommunizieren und ihren Sorgen zu begegnen sowie die Koordination unterschiedlichster Gruppen in Wien, auf der Straße und in ‪#‎Salzburg‬. Das alles kann einen selbst an körperliche und psychische Grenzen bringen, dennoch waren wir am Ende des Trips froh über das Erreichte, auch wenn wir vielen Einzelschicksalen gerne mehr geholfen hätten.

Am Ende steht für uns die Einsicht: Grenzen sind überwindbar – Lasst uns gemeinsam die Mauern Europas stürzen! Für den europäischen Mauerfall!

Danke an alle, die sich spontan beteiligt haben, an die Freiwilligen in Wien, Salzburg und Nickelsdorf, Prisma Leipzig für die Organisation und die Interventionistische Linke Wien für die Hilfe vor Ort!

‪#‎refugeeswelcome‬
‪#‎carsofhope‬
#convoyofhope
‪#‎abolishdublin‬