Im Hambacher Forst

Waldwanderung
Am Sonntag machten sich einige von uns auf in die Nähe von Köln, um dort an einer Waldführung durch den Hambacher Forst teilzunehmen, der schon zum größten Teil abgeholzt ist, da die Abbruchkante der von ‪#‎RWE‬ betriebenen nahegelegenen Kohlegrube immer näher rückt. In dem übrig gebliebenen Waldstück gibt es jedoch einiges zu sehen: Der Hambacher Forst ist nicht nur der einzige Hainbuchen-Stieleichen-Maiglöckchen-Wald Europas, in dem laut ‪#‎BUND‬ auch noch 142 geschützte Arten leben – der Hambacher Forst ist auch besetzt! Die jetzige Besetzung besteht schon seit 2 Jahren. Erst letzte Woche fand im Camp eine Durchsuchung durch die Polizei statt bei der sieben Besetzer_innen 400 Polizist_innen gegenüber standen…

Unsere Waldführung unter der Leitung von Michael Zobel, der eng mit den Besetzer_innen zusammen arbeitet, die uns auch die ganze Zeit über begleiten, beginnt auf einem Parkplatz kurz vor dem Tor zum Betriebsgelände von RWE. Mit über 70 Menschen ziehen wir in den Wald und stoßen bald auf die ersten Barrikaden, bestehend aus ineinander verkeilten Ästen und Stämmen und einem kleinen Graben davor. Diese kleineren Barrikaden, auf die wir während unseres Rundganges immer wieder stoßen, sollen vor Räumfahrzeugen und den Pick-Up’s der RWE-Mitarbeiter_innen schützen. Wir sehen aber auch größere ausgefeilte Konstruktionen, die nicht abgebaut werden können, ohne vorher einen Menschen, der sich hoch oben auf einer an Seilen befestigten Palette befindet, herunterzuholen.

Nachdem wir mehrere hundert Meter in den Wald hineingelaufen sind, stoßen wir auf Flatterband und Absperrungen, die von den Waldbewohner_innen aufgestellt wurden. Hier beginnt „Oak-Town“. Die „Eichenstadt“ besteht aus drei kleinen Baumhäusern in mehr als 30 Metern Höhe. Einer der Bewohner_innen seilt sich bei unserer Ankunft von seinem Baumhaus ab und stellt sich unseren Fragen. Vier Monate hat es gedauert, dass Häuschen zu bauen, in dem jetzt ein Herd und Verpflegung für drei Wochen gelagert ist, sodass mensch es im Falle einer Belagerung durch die Polizei lange dort oben aushalten könnte.
Unser nächster Halt ist eine Lichtung die nicht natürlich gewachsen ist: hier stand eine erste Besetzung, nach deren Räumung die Bäume gefällt wurden.

Am Ende des Waldes erreichen wir das Camp: Hier stehen Zelte, Wohnwägen, aber auch einige feste Lehm- und Holzbauten. Wir machen eine Pause, es gibt Kuchen, einen Infoladen und Gespräche zwischen den Besetzer_innen und Führungsteilnehmer_innen. Es ist deutlich zu sehen, dass sich alle hier über die Unterstützung und die Solidarität freuen, die ihnen entgegengebracht wird.
Doch als wir uns auf Michaels lauten Kuck-Kucks-Ruf hin wieder in Bewegung setzen und nur 500 Meter laufen wird die Waldidylle gestört: Jetzt stehen wir ganz nah der Abbruchkante in wüstenähnlichem, gerodeten Gebiet. Von hier aus kann mensch die Bagger in der Grube sehen, die wie eine riesige Wunde in der weiten Landschaft liegt.

Es ist eine bedrückende Atmosphäre als wir auf unserem Rückweg, auf Abstand begleitet von RWE-Mitarbeitern in einem weißen Pick-Up, über die tote, stillgelegte Autobahn gehen. Die Zerstörung von Natur liegt hier förmlich in der Luft. Dennoch gehen wir mit einem Gefühl der Entschlossenheit nach Hause:
Kohlekraft muss weg. So schnell wie nur möglich. Nicht nur im Hambacher Forst, sondern überall! Keep it in the Ground! ‪#‎EndeGelände‬!