Beiträge von elmar

Kulturdiskurs und Integration

Einführung

Es ist schwierig, sich mit dem Thema Integration von MigrantInnen und den damit verbundenen Problemen zu beschäftigen, ohne in Stereotype zu verfallen. „MigrantInnen” von einer fiktiven übrigen „Gesellschaft” gedanklich abzugrenzen und herausgearbeitete Unterschiede zu problematisieren haftet bereits ein fader Beigeschmack an. Und überhaupt: Wer soll sich da eigentlich, wozu und in was integrieren?
Das ist jedoch gerade die Frage, die der Erörterung bedarf. Die Beantwortung eines gesellschaftlich empfundenen Phänomens der politischen Rechten zu überlassen, hat schwerwiegende Folgen, die allen Beteiligten schadet. Darum möchte ich mich in diesem Artikel, gemeinsam mit einer Sozialarbeiterin und einer türkischen Migrantin, diesem Thema nähern. (mehr…)

Hinzufügen zum Wörterbuch: Polyamorie

Man kommt aus einer bürgerlichen Familie und ist ausgestattet mit ihren Begriffen und Werten: Ehrlichkeit, Strebsamkeit, Treue, Nächstenliebe. Jenen Menschen in der linken Szene, die herabschauen auf die bürgerliche Existenz mit all ihrer Selbstentsagung, Unterordnung, Assimilierung und den verheerenden Folgen, die ein solches Verhalten auf die Persönlichkeit hat, könnten sich manchmal eine Scheibe abschneiden von diesen Werten. Der Weltrevolution wär’s zumindest nicht abträglich. Aber man erlebt eben auch ihr Scheitern, das Umschlagen in Zwängen, Erwartungen, Rollenbildern. Weil die Freiheit fehlt, sich selbst zu entfalten. Weil man in der sozioökonomischen Organisierung unserer Gesellschaft nicht als Subjekt wahrgenommen, sondern verwaltet wird, eingegliedert in einen ziellosen Prozess.
Man merkt, dass das eigene Denken, Handeln, Fühlen damit nicht kompatibel ist: Das ist nichts für mich, so werde ich nicht glücklich. (mehr…)

Gelebte Utopie

Eindrücke von den Protesten gegen den G8-Gipfel

Die Aktionen massenhaften zivilen Ungehorsams gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm zeigten Möglichkeiten auf, gewaltfrei und effektiv in staatliche Abläufe einzugreifen und Grundrechtsbeschränkungen zu überwinden. Die Organisation der Aktionen und des Protestcamps gaben gleichzeitig einen Eindruck vom Zusammenleben in einer freiheitlich-solidarischen Gesellschaft. (mehr…)

Repressive Realität

Dem Begriff „Realität“ haftet seit jeher ein fader Beigeschmack an. Innerhalb kapitalistischer Verhältnisse, deren interne Rationalität sich aus humanistischer Sicht als unvernünftig und geradezu Fetisch erweist, verweisen „Realos“ allzu oft auf diese und die sie gebärenden Sachzwänge, um ihre, dem Gemeinwohl offensichtlich schadenden „Reformen“ zu rechtfertigen. Hier wird die Realität als Subjekt dargestellt, deren Anforderungen der Mensch zu genügen hat. Bemerkenswert ist, dass es, neben den revolutionären Strömungen, ursprünglich auch Anliegen der Reformer war, die Realität positiv zu verändern. Gerade dadurch, dass sie an die Möglichkeit der stückweisen Veränderung glaubten, unterschieden sie sich von den Revolutionären. Im Grunde geben sie Letzteren mit ihren positivistischen Aussagen nachträglich recht. (mehr…)